Wie gut sind die Anhängerreifen tatsächlich?

Veröffentlicht am 26.03.2025
Zum ersten Mal hat der ADAC spezielle Anhängerreifen untersucht. Diese Reifen sind für Camper, Pferdetransporter und Baumarktanhänger entscheidend, werden aber oft wenig beachtet. Das Testergebnis zeigt: Die meisten Modelle leisten solide Arbeit, aber nicht alle schneiden gleich gut ab. Vier Reifen erhalten eine gute Bewertung, während zwei Modelle mit deutlichen Schwächen auffallen. Der Test gibt zudem Hinweise darauf, wann sich Transporter- oder Pkw-Reifen als Alternative eignen und welche Herausforderungen dabei zu beachten sind.
 

Anhängerreifen stehen selten im Fokus, obwohl sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit leisten. Besonders bei Campern, Pferdetransportern oder Lastenanhängern müssen sie zuverlässig funktionieren. Der ADAC hat deshalb zehn Modelle unter die Lupe genommen, die in der Größe 185 R 14 mit Geschwindigkeitsindex N (bis 140 km/h) besonders verbreitet sind. Neben dem Verhalten auf nasser Fahrbahn wurden auch Rollwiderstand und Bremseigenschaften untersucht. Zusätzlich wurden Transporter- und Pkw-Reifen als Alternativen geprüft.


Testergebnisse: Diese Reifen überzeugen im ADAC-Test

Von den zehn getesteten Anhängerreifen schnitten vier mit der Note gut ab, während zwei Modelle mit einer schwächeren Bewertung das Schlusslicht bilden.

Die Top 4 im Überblick:

  • Testsieger: BK-Trailer (Note 2,1) – Überzeugt mit guter Aquaplaning-Performance in Kurven und einem niedrigen Rollwiderstand.
  • Linglong Radial R701 (Note 2,3) – Starke Leistung mit kleineren Schwächen in einzelnen Testbereichen.
  • Radar und Boka (jeweils Note 2,4) – Beide Reifen bieten eine ausgewogene Mischung aus Sicherheit und Effizienz.

Mittelklasse und Schlusslichter:

  • GT Radial und Security erzielten eine befriedigende Gesamtbewertung.
  • Trailermaxx (Note 3,0) – Herausragend im Rollwiderstand, aber mit Schwächen beim Aquaplaning in Kurven.
  • Wanda WR082 zeigte in einzelnen Disziplinen gute, in anderen jedoch schwächere Werte.
  • Kenda und Nankang (beide Note 3,6) – Die schwächsten Reifen im Test. Der Nankang überzeugte mit einem niedrigen Rollwiderstand, war aber auf nasser Fahrbahn deutlich unterlegen.

Alternativen: Wann sich Transporter- oder Pkw-Reifen lohnen

Neben klassischen Anhängerreifen hat der ADAC auch Transporterreifen in den Test integriert. Diese sind zwar teurer, punkten aber in spezifischen Bereichen:

  • Sommer-Transporterreifen verkürzen auf trockener Fahrbahn den Bremsweg.
  • Ganzjahresreifen bieten auf Schnee einen Vorteil gegenüber reinen Anhängerreifen.

Auch Pkw-Reifen können auf Anhängern montiert werden, allerdings mit Einschränkungen. Da sie nicht für hohe Lasten ausgelegt sind, müssen oft größere und breitere Dimensionen gewählt werden. Dies kann eine Sondereintragung durch den TÜV und spezielle Felgen erforderlich machen. Ein weiteres Risiko: Die hohe Haftung von Pkw-Reifen kann in Kombination mit einem hohen Schwerpunkt das Kippverhalten eines Anhängers negativ beeinflussen. Deshalb eignen sich Pkw-Reifen nur für flache oder sehr tief liegende Anhänger.

Wichtige Tipps für die Nutzung von Anhängerreifen

Reifendruck richtig einstellen: Je nach Beladung können Werte bis 4,5 bar erforderlich sein. Eine Tabelle des Herstellers hilft bei der optimalen Einstellung.

  1. Beschädigungen nicht ignorieren: Ein beschädigter Reifen sollte sofort ersetzt werden – idealerweise beide Reifen einer Achse gleichzeitig.
  2. Längere Standzeiten beachten: Reifen verschleißen auch bei Nichtnutzung. Schutz vor UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Druckstellen durch Aufbocken oder Reifenwannen verlängert die Lebensdauer.

So lief der Test ab

Alle getesteten Reifen sind speziell für Anhänger entwickelt und tragen die Kennzeichnung „trailer use only“ oder „free rolling tyre“. Die Prüfungen fanden auf dem Contidrom in Hannover statt und umfassten unter anderem:

  • Tests auf nasser Kreisbahn: Bewertung der Seitenführung und Nasshaftung.
  • Aquaplaning-Tests in Kurven: Überprüfung der Wasserverdrängung und Fahrstabilität.
  • Bremsweg-Messungen: Untersuchung der Verzögerung auf unterschiedlichen Untergründen.
  • Rollwiderstand: Einfluss auf Kraftstoffverbrauch und Verschleiß.

Da einige Messinstrumente nicht direkt mit Anhängern kompatibel sind, wurden die Reifen sowohl auf einem Camper-Anhänger als auch auf der Vorderachse eines VW-Polo getestet. Die Ergebnisse lassen sich auf Anhänger übertragen.

Lebensdauer und Pflege von Anhängerreifen: So halten sie länger

Die Haltbarkeit von Anhängerreifen hängt nicht nur von der gefahrenen Strecke ab, sondern auch von Faktoren wie Lagerung, Nutzung und Witterungseinflüssen. Im Gegensatz zu Pkw-Reifen werden sie oft weniger bewegt, stehen dafür aber lange ungenutzt herum – und genau das kann problematisch sein.

  • Standzeiten vermeiden: Wenn ein Anhänger über längere Zeit an einem Ort bleibt, können Reifen an bestimmten Stellen einseitig belastet werden, was zu Verformungen führt. Ein gelegentliches Bewegen oder das Aufbocken verhindert Druckstellen.
  • UV- und Feuchtigkeitsschutz: Sonneneinstrahlung lässt das Gummi altern und spröde werden. Spezielle Reifenabdeckungen oder eine Lagerung in einer geschützten Umgebung verlängern die Lebensdauer.
  • Regelmäßige Sichtkontrollen: Risse, Beulen oder ungleichmäßiger Abrieb sind Anzeichen für Verschleiß. Auch wenn das Profil noch ausreichend tief ist, sollte ein Reifen spätestens nach sechs bis acht Jahren ersetzt werden.

Einfluss des Rollwiderstands auf Kraftstoffverbrauch und CO₂-Ausstoß

Der Rollwiderstand eines Reifens beeinflusst direkt den Kraftstoffverbrauch – und damit auch die Umweltbilanz eines Fahrzeugs mit Anhänger. Je geringer der Rollwiderstand, desto weniger Energie wird benötigt, um den Reifen in Bewegung zu halten.


  • Unterschiede im Test: Während einige Modelle, wie der Trailermaxx, durch einen besonders niedrigen Rollwiderstand positiv auffallen, weisen andere Reifen höheren Energieverbrauch auf.
  • Spartipps für den Alltag: Ein optimal eingestellter Reifendruck reduziert den Rollwiderstand und sorgt für effizienteren Kraftstoffverbrauch. Zudem spielt das Reifenalter eine Rolle: Ältere Reifen verhärten und haben dadurch oft einen höheren Widerstand.
  • Ökologische Aspekte: Niedriger Rollwiderstand bedeutet nicht nur weniger Spritkosten, sondern auch eine geringere CO₂-Emission – ein Faktor, der besonders für Vielfahrer mit Anhänger relevant ist.

Fazit

Die meisten der getesteten Reifen bieten solide Leistungen, doch Unterschiede gibt es vor allem bei Nässe und Aquaplaning. Wer einen sicheren und effizienten Anhängerreifen sucht, sollte auf gute Nasshaftung achten. Alternativ können Transporterreifen sinnvoll sein, insbesondere für den Wintereinsatz. Pkw-Reifen sind hingegen nur eingeschränkt empfehlenswert, da sie das Fahrverhalten des Anhängers negativ beeinflussen können. Quelle: ADAC

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